L. Berardi 07.09.2026/ Erfahrungsbericht von Lucia Berardi (Congress Center Ramstein)
Ein Koffer voller Erinnerungen, neue berufliche Perspektiven und Freundschaften, die über Grenzen hinweg Bestand haben: Vier Wochen lang durfte ich als Mitarbeiterin des Congress Centers in Ramstein im Rahmen des Erasmus-Programms in unserer südspanischen Partnerstadt Rota verbringen. Dort war ich im lokalen Tourismus-Center im Einsatz und wurde von Beginn an unglaublich herzlich in den Arbeitsalltag und das Stadtleben integriert.
Meine Arbeitszeiten von 10:00 bis 14:00 Uhr und von 17:00 bis 19:30 Uhr machten mir schnell klar, dass die Siesta eben doch kein bloßes Klischee ist: Zu diesen Zeiten war geschlossen, und wer da durch die Straßen ging, dachte wirklich, die Stadt wäre verlassen! Wenn wir am späten Nachmittag wieder öffneten, kehrte das Leben zurück, und täglich kamen zahlreiche Touristen, die Informationen zur Stadt, zum Verkehr sowie zu aktuellen Veranstaltungen und Aktivitäten suchten.
Viele dieser Aufgaben ähnelten meiner Arbeit hier in Ramstein stark, sodass ich mein bereits vorhandenes Know-how direkt einsetzen und mich sicher im Umgang mit der Kundschaft bewegen konnte – von Verkaufszahlen über das Beantworten von E-Mails bis hin zum Erstellen von Vorlagen war alles dabei.
Spannende Events und Traditionen
Während meines Aufenthalts gab es verschiedene Infotage zu wichtigen städtischen Themen. Ein zentrales Beispiel war der Infotag zum Thema Fischerei in Rota. Da dieser Beruf von immer weniger Menschen ausgeübt wird und der Fischkonsum sinkt, wurden umfassende Maßnahmen erarbeitet und Experten eingeladen. Um den Bürgern das Thema näherzubringen, gab es am Ende eine Cooking-Show, bei der mit viel frischem Fisch gekocht und ein neues Konzept präsentiert wurde.
Passend dazu fand eine der traditionsreichsten Veranstaltungen statt: der sogenannte „Ronqueo“. Dabei wird ein Thunfisch gefangen und vor Publikum fachmännisch zerlegt. Zahlreiche Geschäfte verkaufen an diesem Abend passende Thunfisch-Tapas. Wir durften beim Ticketverkauf für die Tapas mithelfen und uns natürlich auch durch die Vielfalt probieren – eine für mich völlig neue und äußerst spannende Veranstaltung, die mit Auftritten lokaler Bands und Tanzgruppen abgerundet wurde.
Ein weiteres Großereignis war die „Inauguración del Mar“, die offizielle Stranderöffnungsparty. Um die Sommer- und Badesaison gebührend zu eröffnen und den Beginn der Ferienzeit für die Jugendlichen zu feiern, wird am Strand eine große Veranstaltung mit DJs, Getränken und Essensständen auf die Beine gestellt. Hier beim Aufbau und bei der Durchführung direkt mitzuwirken, war eine spannende Herausforderung, da Events direkt am Strand logistisch ganz anders angegangen werden müssen als im geschlossenen Raum.
Ein besonderes Erlebnis war zudem die Nacht von San Juan. Bei dieser Tradition werden in vielen Ecken der Stadt Puppen verbrannt. Die Leute schreiben Zettel oder bringen Bilder mit Dingen mit, die sie aus der Vergangenheit loslassen möchten, um diese dann zu verbrennen. Viele Menschen tun dies über die geplanten städtischen Veranstaltungen oder auch privat im kleinen Kreis. Es ist eine sehr schöne Tradition, die vielen hilft und verbindet – eine Gewohnheit, die ich mir mit nach Hause nehme und im nächsten Jahr ganz bestimmt auch selbst tun werde.
Voneinander lernen: Wissensübertragung und persönliche Weiterentwicklung
Es ist unbestreitbar, dass die Spanier eine andere Lebenseinstellung besitzen als wir in Deutschland. Die Art und Weise, wie dort das Leben genossen und geschätzt wird, hat mich während meines Aufenthalts fasziniert und mir gezeigt, im Alltag nicht immer alles ganz so streng zu sehen. Dieser persönliche Einblick ging Hand in Hand mit dem gegenseitigen Austausch von Wissen und Können: Man kann stets Neues von anderen lernen und eigene Kompetenzen weitergeben. Wenn ich bei bestimmten Arbeitsprozessen vorschlug, diese nach unserem Ramsteiner Vorbild zu gestalten, stieß dies auf großes Interesse und die Rückmeldung, dass solche neuen Ansätze sehr willkommen sind.
Alles in allem ist das Erasmus-Programm eine fantastische Möglichkeit, beruflich neue Wege zu gehen, bestehendes Wissen zu teilen und über sich hinauszuwachsen. Der Schritt, alleine in ein fremdes Land zu gehen und sich neuen Strukturen zu öffnen, hat mich persönlich enorm gestärkt. Darüber hinaus habe ich wertvolle Kontakte geknüpft, mit denen ich in Zukunft in Verbindung bleiben werde. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, die den Blick für neue berufliche und persönliche Horizonte geöffnet hat.
